Amerika schwenkt in europäisches Fahrwasser

Wieder einmal bestätigt sich, dass es anders kommt, als erwartet. Und es zeigt, dass Hoffnung eine wertfreie Kraft ist, die allen zur Verfügung steht. Amerika hatte die Wahl und eine Entscheidung getroffen. Nach dem für Alles geltenden Prinzip von Ursache und Wirkung, wird diese Folgen haben; so oder so.

Zum höheren Verständnis gehört, dass es genauso eingetroffen ist, wie es sein soll. Es ist müßig darüber zu spekulieren, wie sich die Politik unter einer Präsidentin Hillary Clinton entwickelt hätte. Fakt ist, der 45. Präsident von Amerika heißt Donald Trump.

Alleine den Überdruss, und die daraus folgernde Gesetzmäßigkeit eines Parteienwechsels, verantwortlich zu machen, wäre zu einfach. Wirklich? Nach dem Wirkprinzip war dieses Ergebnis nicht nur erwartbar, sondern logisch. Obama war sichtlich ambitioniert und hätte vielleicht diese tiefe Aufspaltung in der Gesellschaft eindämmen können, doch mit ihren Mehrheiten im Repräsentantenhaus und Senat haben die Republikaner eine zweite erfolgreiche Amtszeit verhindert und frühzeitig den Weg zur eigenen Machtergreifung geebnet.

Letztlich entscheidend war aber, dass Trump den Bürgern zugehört und deren Anliegen zu seinen gemacht hat. Was er davon umsetzen wird, ist dabei derzeit zweitrangig. Es geht um das »von der Politik ernst genommen« werden. Selbiges Dilemma herrscht seit geraumer Zeit in Europa. Politiker haben sich in eine fremde Welt abgekoppelt und wundern sich über das Erstarken derer, die ihren Ohren auf Volksempfang justieren.

Sichtbar wird dieses zum Beispiel bei intransparenten Verhandlungen zu Freihandelsabkommen, die Keiner (in dieser Form) will. Oder der Legalisierung einer verfassungswidrigen Totalüberwachung. Oder überhaupt alle Bürger unter Generalverdacht zu stellen. Oder den Gedanken zur Aushebelung des Urheberrechts. Oder die immer offener zu Tage tretende Hörigkeit, Befehlsempfänger der Lobbyisten zu sein. Deutlicher kann man den Bürgern nicht vermitteln, dass sie für inkompetent gehalten werden. Damit wird der Nährboden für jegliche Art an Populismus bereitet.

Als selbsternannter Welt-Führer entspricht diese Position der Terminologie und Vorstellung des zukünftigen Präsidenten. Wie schon im Wahlkampf, wird er laut polternd mächtig Bewegung in das Weltgeschehen bringen. Wem etwas nicht passt, wird er die kalte Schulter zeigen und von seiner Gunst abnabeln.

Weil sich kein Politiker diese Blöße erlauben kann, werden sie kuschen. Gerade unsere rückgratlosen EU-Politiker werden sicher lautstark lamentieren, dann aber heuchlerisch den Schwanz einziehen. Wer bellt, beißt nicht.

Allerdings irrt die Polit-Prominenz, die am Tag nach der Wahl die Befürchtung geäußert haben, amerikanische Trends würden verspätet nach Europa schwappen. Und, liebe Amerikaner, auch wenn ihr das nicht hören wollt, hier hinkt ihr dem europäischem Trend hinterher.

Ungarn, Polen, Frankreich, Spanien, England, Deutschland – überall ist man den USA voraus, zumindest die Bevölkerung. Amerika hat sich jetzt nur wieder an die Spitze setzen können, weil die Menschen mit der Wahl von Donald Trump ihrem Missmut eine unüberhörbare Stimme gegeben haben. Es stimmt, dies wird in der »alten Welt« entsprechenden Tendenzen Aufwind geben.

Vielleicht packt Amerika in den nächsten vier Jahren den Holzhammer raus. Doch ist das nicht sogar besser zu handhaben, als undurchsichtig im Hintergrund gestrickten Seilschaften?

Die Amis kochten schon immer ihr eigenes Süppchen. Über manche Zutat wundern wir uns und mag uns nicht schmecken. Aber es zeigt, was Politik zunehmend ignoriert: Unterschiede! Alles und Alle über einen Kamm scheren und mit der Brechstange angleichen wollen, hat noch nie und wird auch nicht funktionieren. Leben braucht Vielfalt, damit es in Bewegung bleibt, sich verändern und entfalten kann.

Amerika wird in den kommenden Jahren reichlich Turbulenzen produzieren. Ich kann mir nur wünschen, dass wir nicht unter die Räder kommen; fürchte aber, dass unsere »Volksvertreter« noch heftigere Schläge vor den Bug benötigen, damit sie endlich anfangen ihren Job zu machen – uns vertreten!

… und aufhören uns wie Babys zu behandeln, die man im Kindergarten füttern muss.

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Keinen-Schimmer ist irritiert und fragt „Quo vadis Amerika?“

Ein Gedanke zu „Amerika schwenkt in europäisches Fahrwasser

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